Die Kunst des Essens – Anleitung zum Genuss

Die amerikanische Autorin MFK Fisher (1908-1992) aß nicht nur gern, sie schrieb auch Zeit ihres Lebens darüber. Sachkundig, sinnlich, poetisch. „Sie erfand ein Genre“, urteilte die New York Times. Über das genussvolle Zubereiten einer Mahlzeit wusste sie ebenso viel zu berichten wie über die Menschen, über das Leben, die Erfahrung und die Haltung dazu. Kleine Geschichten und Beobachtungen verwandelte die „Philosophin des guten Geschmacks“ in große Literatur. Eine Auswahl ihrer geistreichen und eleganten Tafelfeuilletons ist unter dem Titel „Die Kunst des Essens – Anleitung zum Genuss“ versammelt.

MFK Fisher erzählt darin von ihrer Kindheit, als ihre Lust am Sinnlichen und Kulinarischen und ihre Freude am Ausprobieren geweckt wurden. Wir sind dabei, wenn sie den Finger in Großmutters frisch gekochte Marmelade taucht, der kleinen Schwester ein Curry-Gericht serviert, das mit Brandblasen endet, und ihre Leidenschaft für Austern in einem Mädchenpensionnat entdeckt. In zwanzig Kapiteln erklärt MFK Fisher u. a., wie man Wasser richtig und Eier auf gar keinen Fall kochen sollte, beschreibt die hohe Kunst der französischen Patisserie oder weist darauf hin, welch sorgfältige Vorbereitung auch die Einladung zu einem Essen außer Haus erfordern sollte. Und selbst der viel geschmähten Einsamkeit beim Essen weiß sie eine köstliche Note zu verleihen. Fast nebenbei verrät sie ihren Lesern auch das ein oder andere – unkomplizierte – Rezept, „herzerwärmend und der Seele schmeichelnd“: Pariser Zwiebelsuppe, eine einfache Minestrone, ein Omelette soufflée. Denn Luxus hängt für MFK Fisher weniger vom Geldbeutel als von der Fähigkeit ab, in vollen Zügen zu genießen. „Mit guten Freunden, gutem Essen auf einem Holzbrett und gutem Tischwein im Krug erübrigt sich die Frage: Wann sollen wir leben, wenn nicht jetzt?“

Mit ihren Essays, aus denen der Geist einer untergegangenen Epoche weht, einer Zeit, in der es noch keinen Restaurant-Tourismus gab und die Fernsehköche noch nicht über die Bildschirme köchelten, wurde die „Poetin des Appetits“, wie John Updike sie nannte, zu einer Institution im amerikanischen Kulturleben. Mehr als eine bloße Lebensnotwendigkeit erschien ihr Essen als ein Allheilmittel gegen Kummer, Verletzung und Hunger jeglicher Art. Gab es nichts Wichtigeres als Essen, über das es sich zu schreiben lohne, wurde sie bisweilen gefragt. „Wir essen. Wir alle essen“, meinte sie lapidar, wenige Monate bevor sie – dreiundachtzigjährig – starb.

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Aktualisiert am 15. Februar 2010

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